„Gut, dass wir einander haben“ – Schwestern- und Brüdertag mit Ältestenwahl
Was ist das, wenn rund 380 Menschen von nah und fern, groß und klein, an Himmelfahrt für drei Tage ins Johannesstift kommen? Richtig, das kann nur der Schwestern- und Brüdertag sein! Zwischen Hotel, Kirche, Festsaal und Haus der Schwestern und Brüder war ganz schön was los, inklusive dem traditionellen Wohnmobil-Stellplatz hinter dem Haus der Schwestern und Brüder.
Das Wichtigste zuerst: In der Vollversammlung wurde Lars Madel zum neuen Ältesten gewählt. Die Neuwahl stand an, weil Jutta Böhnemann-Hierse ihren Dienst für die Gemeinschaft im Laufe des Sommers beenden wird. So bot der Schwestern- und Brüdertag schon Raum für eine offizielle Verabschiedung. Doch der Reihe nach. Es waren sehr gefüllte Tage: Schon beim Eröffnungsgottesdienst am Donnerstag sprang der Funke über, als in der voll besetzten Kirche gesungen wurde: „Gut, dass wir einander haben.“ Bei lauen Temperaturen saßen anschließend alle bei Essen und Getränken noch lange im Freien. Die Kinder hatten ihren Spaß, fingen Seifenblasen und flitzten zwischen Lindenplatz und Haus der Schwestern und Brüder hin und her. Für sie gab es ein separates Programm beim „Schwestern-und Brüdertag für Kinder.“ Das Thema des Schwestern- und Brüdertages lautete: „Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? Gemeinschaft trifft auf Wirklichkeit.“
Am Freitagvormittag führte Dr. Tobias Kirchhof mit einem spannenden Impulsvortrag in das Thema ein „Gemeinschaft leben in Zeiten der Individualisierung. Wie viel Orientierung braucht die Zukunft?“ Einen besseren Referenten hätte man kaum finden können, kennt er doch als ehemaliger Referatsleiter für Seelsorge und Ethik das Johannesstift und die Schwestern- und Brüderschaft. Er zeigte auf, dass eine gelingende Gemeinschaft ein gesundes Maß an Zusammengehörigkeit, „Wir-Gefühl“ und Freiheit braucht, sowie eine gemeinsame Zielrichtung, einen Auftrag. Am Nachmittag wurde das Thema in acht kreativen Workshops vertieft. Das Spektrum reichte von „Bastel dir deine Wirklichkeit“ bis zu „Träume und Visionen von idealer Gemeinschaft.“
Der am meisten nachgefragte Workshop war: „Kein Quatsch mit brauner Soße,“ bei dem es um den Umgang mit dem Rechtsruck in unserer Gesellschaft ging – ein Thema, das viele sehr bewegt! Der anschließende Abendmahlsgottesdienst brachte alle wieder in der Kirche zusammen. Am Samstag wurde es spannend: Der Gesamtkonvent wählte einen neuen Ältesten. Von den drei Kandidierenden erhielt Lars Madel die meisten Stimmen. Den 51-Jährigen kennen viele im Stift: Er war mehrere Jahre bei Proclusio (vormals Behindertenhilfe) tätig und dann viele Jahre in der Öffentlichkeitsarbeit für die Sozialen Fachschulen, das Wichern-Kolleg und die Stiftung. Dann hieß es offiziell Abschied nehmen von Jutta Böhnemann-Hierse. In sehr wertschätzenden Grußworten beschrieben Oberkonsistorialrat Dr. Clemens Bethge als Vertreter unserer Landeskirche, Oberin Constanze Schlecht, Vorsitzende der Mitgliederversammlung des DWBO, Diakonin Heike Gatzke aus dem Vorstand des VEDD sowie Petra Ziegert und Thorben Petters vom Leitungskonvent, wie sehr sie die Zusammenarbeit mit Jutta Böhnemann-Hierse schätzten und mit wieviel Engagement, Herzblut und Klugheit sie ihr Amt ausfüllte. (Mehr dazu in den nächsten Kontakten). Seit 2003 war sie Älteste, damals die erste Frau in dieser Funktion. Eine ganze Generation kennt die Schwestern- und Brüderschaft nur mit Jutta!
Richtig festlich wurde es am Samstagabend: Bei einer Gala führten Anna-Sophie Gerth und Thorben Petters charmant durch die Rateshow „Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum, wetten dass …?“ Im Fokus dieses unterhaltsamen Abends stand die Gemeinschaft mit all ihren Facetten. Chapeau! Mit 200 unterschiedlichen Gründen für die Mitgliedschaft in der Schwestern- und Brüderschaft gewann die Gemeinschaft locker die Saalwette und genoss jubelnd den Wetteinsatz der Moderator*innen. Eh, Macarena!
Den Höhepunkt und festlichen Abschluss des Schwestern und Brüdertags bildete der Festgottesdienst am Sonntag, bei dem Diakon Ingo Moy die Predigt hielt. Die Entpflichtung von Jutta Böhnemann-Hierse war ein sehr emotionaler Moment. Viel Grund zur Dankbarkeit gab es auch bei der Ehrung der Jubilar*innen und bei der liturgischen Aufnahme von 13 neuen Schwestern und Brüdern in die Gemeinschaft. Rückblick, Dankbarkeit, Veränderung, Zukunft, Vergewisserung auf das, was wichtig ist – das ist Gemeinschaft! Mit dem Reisesegen vor der Kirche wurden alle Gäste auf ihren Heimweg verabschiedet. Auf Wiedersehen, Adieu bis Himmelfahrt 2026!
Text und Fotos: Barbara Seybold
