Bildung für Frauen – ein Praktikum in Guatemala

Ailin Monti, Studentin an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, hat ein Auslandspraktikum in Guatemala absolviert.
Ich habe ein Pflichtpraktikum vom 19. Januar bis zum 13. März 2026 in Guatemala-Stadt absolviert. Die Praxiseinrichtung war CEDEPCA – Centro de Estudios Pastorales en Centroamérica (Zentrum zur Pastorale Studien in Zentralamerika), eine Bildungsvereinigung (Asociación Educativa) mit Sitz in der Zona 2 der Hauptstadt.
CEDEPCA arbeitet in vier Programmbereichen: Die Frauenpastoral (Pastoral de las Mujeres) bietet Bildung, psychosoziale Begleitung und Unterstützung für Frauen aus einer feministischen Genderperspektive. Das FBT (Programa de Formación Bíblica-Teológica) ist ein theologisches Bildungsprogramm auf verschiedenen Niveaus aus einer befreiungstheologischen Perspektive. Das PAD (Prevención y Atención de Desastres) arbeitet mit gefährdeten Gemeinschaften im Bereich Katastrophenprävention aus einer Perspektive der Klima- und Menschengerechtigkeit. Die Interkulturellen Begegnungen (Encuentros Interculturales) gestalten Begegnungsprogramme zwischen Gruppen aus dem Globalen Norden und zentralamerikanischen Gemeinschaften.
Ich selbst habe hauptsächlich in der Frauenpastoral gearbeitet, hatte aber auch Einblicke in die anderen Programme. Meine Arbeit war sehr vielfältig und hat sich im Laufe des Praktikums organisch entwickelt. Zu Beginn habe ich das Bildungsmaterial der Frauenpastoral intensiv gelesen und analysiert. Daraus ergaben sich verschiedene Initiativen: Ich habe gemeinsam mit der Programmkoordinatorin Pamela Líquez Vorträge für internationale Besuchsgruppen methodisch überarbeitet und dabei Elemente der Volksbildung (educación popular) eingebracht, sodass die Zuhörer:innen das Thema nicht nur abstrakt hören, sondern selbst erleben konnten. Außerdem habe ich zwei Schulungen zu Canva für die Mitarbeiter:innen durchgeführt und die gestalterische Vereinheitlichung der Kommunikationsmaterialien der Frauenpastoral übernommen. Eine besonders bedeutsame Aufgabe war die Konzeption und Durchführung eines Workshops über Volksbildung und dekoloniales Denken für die lokalen Lehrbeauftragten, die in Guatemala mit Gruppen von Erwachsenen und Jugendlichen arbeiten. Daraus entstand eine weitere Initiative: die methodische Überarbeitung des Tamar-Workshops, eines Bildungsangebots der Frauenpastoral für junge Frauen zwischen 13 und 18 Jahren.
Was mein Praktikum besonders geprägt hat, war die Offenheit des Teams gegenüber Vorschlägen und neuen Ideen. Viele meiner Aufgaben sind organisch entstanden, weil CEDEPCA meine Kompetenzen und Interessen wahrgenommen und gezielt genutzt hat. Ich denke, dass ein Praktikum dort für jede Person anders aussehen wird und genau das ist eine Stärke dieser Einrichtung: Sie nehmen die eigenen Fähigkeiten und Motivationen der Praktikant:innen ernst und gestalten den Einsatz gemeinsam.
Samstags bin ich freiwillig zu einem Kurs der Carrera en Biblia y Teología gegangen, den CEDEPCA anbietet. Der Kurs den ich besuchte hieß „Geschichte und Theologie der Erlösung” und war inhaltlich sehr bereichernd. Wir hinterfragten gemeinsam was Erlösung für uns heute bedeutet, was sie für Jesus bedeutete, und dachten dabei an historische und gegenwärtige Kontexte wie den Nationalsozialismus und die Conquista Amerikas: Was ist Erlösung? Wer wird gerettet? Was mich dabei besonders begeistert hat, war die Art und Weise wie der Kurs gestaltet wurde: Autor:innen waren nur eine Stimme mehr im Kreis — auf derselben Ebene wie alle Teilnehmenden. Es war ein Raum des gemeinsamen Fragens und Denkens, nicht des einseitigen Wissensvermittelns. Diese Erfahrung hat mich tief berührt und war ein konkretes Beispiel dafür, wie theologische Bildung aus einer befreiungstheologischen Perspektive aussehen kann.
[…]CEDEPCA kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen. Die Menschen dort sind sehr herzlich und die Organisation leistet eine wichtige und selten vorkommende Arbeit an der Schnittstelle zwischen Theologie und Gerechtigkeit. Wer sich für diesen Bereich interessiert, wird dort eine sehr bereichernde Praxisstelle finden. Das Praktikum hat mich in mehreren Dimensionen bereichert und gleichzeitig gezeigt, wie viel ich noch lernen möchte. Wer Fragen zur Praxisstelle und/oder weitere Tipps für die Organisation des Aufenthalts in Guatemala oder vielleicht auch für andere Länder in Lateinamerika hat, stehe ich sehr gerne zur Verfügung.
