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„Der Verantwortung in Kirche, Diakonie und Gesellschaft nicht entziehen“

Gespräch mit Jutta Böhnemann-Hierse zum Ruhestand

Jutta Böhnemann-Hierse 2003
Jutta Böhnemann-Hierse 2003

Liebe Jutta, nach 22 Jahren als Älteste der Schwestern- und Brüderschaft gehst du nun Ende September 2025. in den Ruhestand. Erinnerst du dich noch an deine Anfänge, damals 2003? Was war dir wichtig?

Ich hatte damals in meinem ersten sog. Ältestenbrief formuliert: …Eine Zeit voller Vorfreude, voller spannender Fragen: Werden wir miteinander auskommen? Wird die Gemeinschaft mit mir weiterkommen? … Neugier aufeinander, auf das gegenseitige Vertrauen lernen … Das gesellschaftliche Wirken unserer Gemeinschaftskraft nach außen deutlich zu machen, der Verbundenheit zum Ev. Johannesstift mehr Ausdruck zu verleihen. Für unseren Glauben Worte, Gesten und Gespür finden.“

Ihr seid damals als Familie mit drei Kindern aus Wolfsburg gekommen. Wie war bis dahin dein Weg?

Nach dem Abschluss der Ausbildung zur Diakonin und Dipl. Sozialpädagogin 1984, habe ich zunächst sehcs Jahre im Sozialdienst der damaligen Universitätsfrauenklinik in Berlin-Charlottenburg gearbeitet, bevor wir 1991 wg. der beruflichen Tätigkeit meines Mannes nach Wolfsburg umgezogen sind. Von 1993 bis 1994 war ich als Sozialarbeiterin beim Diakonischen Werk Braunschweig, habe dannr eine „Arbeitspause“ gemacht, in der ich neben den eigenen drei Kindern noch zwei Tagespflegmädchen betreut habe. Ab 1998 war ich als Sozialpädagogin im Mädchenzentrum „Rote Zora“ in Wolfsburg tätig. Neben der Berufstätigkeit und Familienzeit war ich durchgehend ehrenamtlich engagiert in der Schwestern- und Brüderschaft als Mitglied in der Teamleitung des Regionalkonvents Mitte und in der Leitung der Gemeinschaft.

Jutta Böhnemann-Hierse 2025
Jutta Böhnemann-Hierse 2025

Wie würdest du die Schwestern- und Brüderschaft in kurzen Worten beschreiben?

Ich sehe uns als diakonische Gemeinschaft, die nach innen und außen Stärke hat und immer herausgefordert bleibt, dieses Verhältnis in Balance zu halten. Nach innen den Blick füreinander zu haben, über Generationen, Unterschiede in Theologie und Politik hinweg. Das Aushalten von Vielfalt zu leben! Nach außen Verantwortung zu zeigen. Sich gegen Abwertung verorten, gegen Unmenschlichkeit und Unfrieden aufstehen. Im Kanon mit Landeskirchen, Diakonischem Werk, dem VEDD, der Stiftung und der Johannesstift Diakonie. Noch sind wir genug!

Was bewegt dich am Ende deiner aktiven Zeit als Älteste?

Ich bin dankbar für das Begleiten können, für das Durchhalten, für die Kraft und Phantasie, die mir dafür gegeben war. Es ist schon etwas Besonderes, Älteste einer Diakonischen Gemeinschaft zu sein. Auch wenn ich diese Verantwortung nun ab und weitergebe, werde ich mich einer Verantwortung in Kirche, Diakonie und Gesellschaft sicher nicht entziehen.

Hast du Pläne für den Ruhestand?

Nach dem Tod meines Mannes zu Beginn dieses Jahres bin ich noch sehr dabei, eine eigene Alltagsgestaltung zu finden. Konkrete Pläne hatten da bisher wenig Raum. Aber ich werde in Berlin bleiben, das kulturelle Angebot dieser Stadt und ihres Umlandes weiter erforschen und hoffentlich noch eine Tätigkeit finden, die meinen Talenten und Neigungen entspricht. Außerdem bin ich gut eingebunden in meine Familie mit Kindern und Enkel*innen und dankbar für einen mich begleitenden Freund*innenkreis!

Das letzte Wort gehört dir:

Ich bin gespannt auf die neue Zeit und die notwendigen Veränderungen, insbesondere in der Schwestern- und Brüderschaft. Die 22 Jahre habe ich gerne in der und für die Gemeinschaft gearbeitet und danke den Menschen, mit denen ich dieses gemeinsam tun konnte.

Die Fragen stellte Barbara Seybold.

Zur Schwestern- und Brüderschaft im Evangelischen Johannesstift e.V. gehören rund 450 Mitglieder plus ihre Angehörigen. Als Nachfolger für Jutta Böhnemann-Hierse wurde Diakon Lars Madel zum Ältesten gewählt, der ab 1. Oktober 2025 gemeinsam mit Diakonin Claudia Dorn-Jarchow die Gemeinschaft leiten wird.

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