Als Mensch gefragt
Im Gespräch mit Stefan Zeller, Ältester der Brüder- und Schwesterschaft Martinshof e.V., Katrin Weinert-Swoboda, stellvertretende Gemeinschaftsleitung, und Sigrid Peschel, Diakonin und Mitarbeiterin in der Diakonie St. Martin über Grenzen, geistliche Heimat und Prognosen, wie es weitergeht.
VEDD: Bitte beschreibt eure Gemeinschaft in drei Worten.
Stefan Zeller: Geistliche Heimat.

VEDD: Das ist fast geschummelt, aber ich glaube, zwei Wörter in einem Konstrukt kann ich gelten lassen.
Sigrid Peschel: Unterwegs sein.
Katrin Weinert-Swoboda: Zusammenhalt
VEDD: Warum? Erklärt mir das genauer. Was hat das mit eurer Gemeinschaft zu tun?
Stefan: Mein Vater war Diakon, seine Frau war als Frau eines Diakons ebenfalls Mitglied der Gemeinschaft, ich bin also biografisch in dieser Gemeinschaft aufgewachsen. Die Menschen, die mir hier im Martinshof begegnen, kenne ich zum Teil von Kindheit an, sie haben meine Biografie geprägt, sie sind mir vertraut und haben mich auf meinem Glaubensweg gestärkt. Das ist für mich wie eine geistige Tankstelle.
Sigrid: Naja, für mich ist es mit dem unterwegs sein ungefähr so, wie für Stefan mit der geistlichen Heimat. Alle Lebenswege, die wir gehen, treffen sich irgendwann wieder. Wir sind mal ein Stück allein unterwegs, mal durch verschiedene Umstände gemeinsam. Menschen, die ich aus meiner Kindheit kannte, treffe ich jetzt in dieser Gemeinschaft wieder. Miteinander unterwegs sein heißt auch, Dinge voneinander zu wissen, die andere nicht wissen. Und unterwegs redet man miteinander, man schaut sich nicht unbedingt an, sondern man läuft nebeneinander her und redet und dann wird das manchmal persönlicher, als wenn man sich gegenübersitzt.
Katrin: Zusammenhalt habe ich erfahren, als ich 2002 zu dieser Gemeinschaft dazugekommen und 2005 eingetreten bin. Ich habe in all den Jahren erlebt, dass wir als Gemeinschaft etwas zusammen auf den Weg bringen können. Wir brauchen das Gemeinsame. Es ist nicht gut, wenn einer alleine losgeht.
VEDD: Und was bringt ihr auf den Weg? Wofür setzt ihr euch ein?
Katrin: Zum einen setzen wir uns sehr stark für die Stiftung ein. Wir unterstützen zum Beispiel verschiedene soziale Projekte finanziell, wie die Theatergruppe für Menschen mit Behinderung. Und wir unterstützen die Stiftung geistlich, beispielsweise durch den Denkort hier im Martinshof, wo der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus und der Menschen mit Behinderung, die in der Zeit in Gefahr waren, gedacht wird. Und wir unterstützen viele Studierende aus Europa mit Stipendien, das war vor allem zwischen 1990 und 2015 eine ganz starke Bewegung, dafür haben sich viele Mitglieder eingesetzt. Einige von den Studierenden kamen auch zu Gemeinschaftstagen und ein paar sind auch Mitglied geworden.

Stefan: Unsere Brüder- und Schwesternschaft hat den Martinshof, den Teil unserer heutigen Stiftung, vor 127 Jahren gegründet. Wir haben das gesamte Unternehmen, die Arbeit mit den Menschen, die Strukturen, die Häuser dann 1996 in eine Diakonie-Stiftung übergeben. Seitdem sind wir lebendige Stifterin hier im Gesamtunternehmen. Als Gemeinschaftsältester arbeite ich zugleich auf einer Stelle, die für das diakonische Leben in der Stiftung zuständig ist. Das ist eine wunderbare Schnittmenge zwischen Anliegen der Gemeinschaft und der Stiftung. Wir versuchen, die diakonische Kultur mit diakonischen Einführungstagen und Fortbildungen und spirituellen Angeboten zu prägen, zum Beispiel durch gemeinsame Pilgertage oder durch den diakonischen Wochenschluss. Und gleichzeitig finde ich es sehr schön, dass wir uns mit unserer Gemeinschaft nicht nur hier im Martinshof bewegen, sondern in Kirche und Diakonie an verschiedenen Orten unterwegs sind, zum Beispiel von Hannover über die Schweiz bis nach Rumänien.
VEDD: Ich habe das Gefühl, dass eure Gemeinschaft enger verwoben ist mit dem Unternehmen Martinshof. Viele Gemeinschaften haben einen sozialen Träger im Hintergrund, bei euch scheint das aber eine besonders enge Verbindung zu sein. Woran liegt das?
Stefan: Das hat für mich zwei Gründe. Eigentlich sogar drei. Unsere Gemeinschaft hat die Geschichte ein Stück weit bewahrt und mit der wachsenden Mitarbeiterschaft kultiviert. Wir versuchen uns immer wieder zu unseren Stärken und auch zu unseren Schwächen zu positionieren und beides in die heutige Zeit zu holen. Der zweite Grund ist unser Brüderhaus. Es heißt zwar immer noch Brüderhaus, ist aber heute ein sozialdiakonisches Zentrum der Stiftung, eine Bildungs- und Begegnungsstätte, wo Menschen mit und ohne Behinderung Fortbildung und Begegnung erleben. Es ist neben der Kapelle ein wichtiger Ort im Gesamtunternehmen. Und der dritte Grund sind unsere derzeit 94 Gemeinschaftsmitglieder, von denen 15 im Unternehmen selbst haupt- oder ehrenamtlich tätig sind und in diakonischen Angeboten wirken.
VEDD: Ich habe gleich mehrere Nachfragen, aber ich würde sagen, eins nach dem anderen. Du hast dich vorhin auf die Versäumnisse bezogen. Was meinst du damit?

Stefan: Katrin hat ja vorhin schon vom Denkort gesprochen. 1941/42 wurden hier bei uns Menschen mit Behinderung, die nicht in ihre Elternhäuser zurückgeschickt werden konnten, der Euthanasie preisgegegeben. Und mehr als 700 jüdische Menschen, die hier in einer Art Arbeits- und Durchgangslager gelebt und gearbeitet haben, wurden von hier aus in Vernichtungslager geschickt. Unsere Gemeinschaft konnte das nicht verhindern, auch wenn einige Mitglieder an verschiedenen Stellen versucht haben, zu helfen. Vor 30 Jahren haben wir als Gemeinschaft den „Denkort gegen das Vergessen“ auf den Weg gebracht. Denn unsere Einrichtung, die übrigens früher Zoar hieß, sollte Menschen Schutz, Geborgenheit und Zuflucht bieten und wir konnten diesem Anspruch damals nicht gerecht werden. Bis heute konnten wir nicht alle Namen der Opfer recherchieren, aber wir geben nicht auf, wir bleiben dran. Wir wissen nach aktuellen Recherchen, dass von den 700 Juden nur sieben überlebt haben. Der Denkort besteht aus fünf Steinsäulen, die offen in alle Richtungen sind und die mit einer gespaltenen Gedenkplatte auf die Geschichte dieser Schutzlosigkeit hinweisen. Im kommenden Jahr wird es wieder im Rahmen einer jüdischen Gedenkwoche eine Begegnung mit Angehörigen der Überlebenden geben.
VEDD: Ihr seid als Gemeinschaft in einem Bundesland unterwegs, in dem es derzeit politisch nicht einfach ist. Ihr seid die östlichste Gemeinschaft in Deutschland, hinter dem Martinshof verläuft direkt die Grenze zu Polen. Was macht das mit euch als Gemeinschaft?
Katrin: Es gibt eben manchmal Grenzen, die einem das Leben zeigt, sei es politischer oder ganz persönlicher Natur oder vielleicht auch in Bezug auf unsere Gemeinschaft. Schön ist, dass wir hier an der Neiße eher die Überwindbarkeit von Grenzen erleben. Wir machen immer wieder Projekte mit polnischen oder auch tschechischen diakonischen Unternehmen. Dafür spielen die politischen Fragestellungen, die unsere Arbeit häufig überschatten, kaum eine Rolle. Trotz Grenze versuchen wir den Blick nicht im Halbkreis zu lenken, sondern immer ringsherum.
Stefan: Da kann ich Katrin nur zustimmen. Wir versuchen immer wieder im wahrsten Sinne des Wortes über Grenzen zu gehen, Brücken zu bauen, nicht nur als Gemeinschaft, sondern auch als Stiftung. Zum Beispiel ist ein junger Mann, dessen Eltern hier arbeiten, mit Aktion Sühnezeichen derzeit als Freiwilliger in Kreisau in Polen und macht dort geschichtliche, politische Bildungsarbeit. Wir fördern das und er schickt uns immer wieder Berichte über seine Arbeit zu, er war sogar online beim Gemeinschaftstag dabei. Das sind die kleinen Zeichen, die wir versuchen zu setzen. Und wir wollen, dass Inklusion hier bei uns nicht auf dem Prüfstand steht, sondern dass wir sie leben können. Dafür treten wir ein, allen politischen Tendenzen zum Trotz. Im vergangenen Jahr wollten wir eigentlich einen Gemeinschaftstag zum Thema Humor in der Bibel machen. Aber wir haben uns dann das Thema „Demokratie gestalten“ gesetzt, weil die Wahlen in Sachsen anstanden und wir uns mit den politischen Spannungen in unserem Bundesland beschäftigen wollten. Daraus ist dann eine Postkarte als Gemeinschafts-Statement mit einer Wortwolke voller Haltungen entstanden, für die wir stehen.
VEDD: Humor in der Bibel wäre allerdings auch ein sehr schönes Thema gewesen.
Stefan: Das haben wir dann natürlich nachgeholt, weil das Leben weitergeht. Da waren von 94 Mitgliedern 75 Personen mit dabei und das, obwohl wir einen Altersdurchschnitt von 72 haben. Aber wir wissen, wie man fröhlich und lebendig miteinander feiert und das Brüderhaus auf den Kopf stellt.
VEDD: Angenommen, ich würde gerne bei euch Mitglied werden. Was müsste ich dafür tun? Sigrid, du bist ja noch ganz frisch dabei, oder? Wie hast du den Weg in die Gemeinschaft erlebt?
Sigrid: Da passt das, was Katrin vorhin von Unterstützung gesagt hat. Die Gemeinschaft hat die Hälfte der Seminarkosten bezahlt. Und auch wenn ich eine andere Gemeinschaft nach Abschluss des Kurses hätte wählen können, zum Beispiel die aus Moritzburg, stand das für mich gar nicht zur Debatte. Für mich war klar: Wenn ich die Ausbildung als Diakonin mache, dann werde ich auch in Rothenburg Mitglied. Für mich hat sich hier ein Kreis geschlossen. Und das ist eben nicht nur der Beitritt zu irgendeinem Verein, sondern das bedeutet, dass man sich füreinander interessiert und dass man füreinander da ist in ganz verschiedenen Bereichen. Und dann wirst du eben eingesegnet und bist Mitglied.
VEDD: Ich glaube, ihr müsst mir das noch ein bisschen näher erklären, aber das Gefühl, das Sigrid beschreibt und dass da mitschwingt, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Und was muss ich konkret tun, um zu euch kommen zu dürfen?
Katrin: Ich würde den Spieß eher umdrehen und sagen: Was können wir für dich tun, damit du zu uns ja sagst? Ich habe vorher schon in der Stiftung gearbeitet. Meine Geschichte mit der Gemeinschaft begann damit, dass ältere Geschwister mir immer wieder Essen gebracht haben, wenn sie gemerkt haben, dass ich mal wieder Überstunden mache. So habe ich dann von der Gemeinschaft erfahren und wir sind ins Gespräch gekommen. Ich würde sagen, die Liebe ging bei mir wirklich durch den Magen. Bei den alten Diakonen beeindruckt mich immer, dass sie einem die offene Hand entgegenstrecken und sagen: Komm, wenn du magst, wir freuen uns.
VEDD: Verstehe ich das also richtig: Bei euch ist es nicht so, dass ich als junger Mensch entscheide, dass ich Diakon oder Diakonin werden will und dann eine Ausbildung mache, sondern zu euch kommen Menschen eher in der Blüte ihres Lebens, die eine geistliche Heimat suchen?
Katrin: Ich würde eher sagen, die geistliche Heimat hat mich gefunden. Ich habe hier in dieser Einrichtung angefangen im Empfangsbereich 1999. 2005 bin ich Mitglied geworden, die Diakonenausbildung habe ich dann erst 2016/17 in Berlin im Johannesstift gemacht. Das hat sich bei mir erst entwickelt. Es ging auch nie darum, ob ich Diakonin sein muss und was ich alles brauche und beitragen muss. Sondern ich als Mensch war gefragt. Das ist eine absolute Wertschätzung von Seiten der Gemeinschaft, alle haben mich mit offenen Armen empfangen. Das war wirklich unvergesslich für mich.
VEDD: Das beantwortet mehrere meiner Fragen gleichzeitig. Ich kann also bei euch Mitglied werden, wenn ich kein Diakon und keine Diakonin bin. Ich kann aber auch, wenn ich möchte, die Ausbildung machen. Aber nicht bei euch, denn ihr bildet nicht selber aus?
Stefan: Nicht mehr, leider. Den letzten Ausbildungsjahrgang hatten wir 2007. Dann wurde unsere Landeskirche zur Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz zusammengelegt und es sollte nur noch eine Ausbildungsstätte geben. Eine Zeit lang haben wir mit dem Johannesstift kooperiert und zusammen ausgebildet. Wichtig ist mir, dass wir als Gemeinschaft immer wieder Mitarbeitende in der Stiftung ansprechen. Ganz niederschwellig, so wie Katrin und Sigrid das auch beschrieben haben. Wir stellen sie für die Zeit der Ausbildung zu 50 Prozent von der Arbeit frei und übernehmen die Ausbildungskosten. Ich bin sicher, du wirst mich auch noch fragen, welchen Mehrwert das hat, aber dem greife ich nicht vorweg. Tatsache ist aber, dass nur 59 Mitglieder unserer Gemeinschaft Diakon oder Diakonin sind, es treten immer wieder auch Menschen ohne Diakon:innen-Ausbildung ein.
VEDD: Ok. Und was habe ich dann davon, was ist mein Mehrwert?
Katrin: Mir gefällt das Wort „Mehrwert“ nicht so richtig an der Stelle. Ich finde es schwierig, immer zu fragen, was ich davon habe. Ich fände es sinnvoller, zu schauen, wie es mir mit etwas geht. Fühle ich mich wohl in der Gemeinschaft? Ist das, was ich erlebe, authentisch und berührt es mich? Und dann stellt sich die Frage nach dem Mehrwert gar nicht, denn ich habe ihn bereits. Das ist sicher kein monetärer Mehrwert, aber ein ganz besonderes Glücksgefühl.
Sigrid: Dem kann ich nichts mehr hinzufügen, das hast du gut gesagt.
VEDD: Stefan sieht allerdings aus, als würde er noch was hinzufügen wollen?
Stefan: Ich hatte mir ja gedacht, dass du diese Frage stellen wirst, ich habe mich also ein bisschen vorbereitet. Ich habe die Diakonen-Ausbildung auch nicht direkt gemacht, sondern über Zusatzkurse nach dem Sozialpädagogik-Studium. Also war meine berufliche Biografie ein bisschen anders. Ich sehe heute Leute, die diese Ausbildung machen und dann im Unternehmen deswegen nicht mehr Geld bekommen und auch nicht zwangsläufig anders in der Hierarchie stehen. Das sind Menschen, die einfach „geistliches Futter“ wollen, die sich mit ihren diakonischen Wurzeln auseinandersetzen möchten. Da spielt Berufung häufig eine Rolle. Viele wünschen sich, ihre eigene Sprachfähigkeit in Bezug auf Glauben, Kirche und Diakonie zu erweitern. Meine eigene Glaubenshaltung wird durch die Ausbildung hinterfragt, gefördert und bereichert, die Ausbildung ist quasi ein Türöffner dafür zu merken, dass meine Arbeit in Verbindung mit meinem Glauben wirksam ist.
VEDD: Ihr habt schon ein kleines bisschen aus eurer Geschichte erzählt und könntet sicher noch mehr erzählen. Aber mich interessiert, wo ihr euch in 15 Jahren seht.
Stefan: Auch mit dieser Frage hatte ich gerechnet. Ich sage dir mal die vier möglichen Prognosen. Die zuversichtlichste ist, dass wir als Gemeinschaft weiterhin quantitativ und substanziell wachsen. Das ist allerdings schwierig vorstellbar, weil wir Mitglieder in der Regel nicht verlieren, weil sie austreten, sondern weil sie versterben. Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf, Menschen wie Katrin, Sigrid und andere, die Gott uns schickt, machen mir Hoffnung durch ihren Eintritt. Die zweite Prognose ist, dass wir unseren Stand halten, konstant bleiben. Wir haben als Gemeinschaft eine Vereinbarung mit dem Unternehmen über unsere Zusammenarbeit und wir wirken auch nach wie vor im Stiftungsrat und beim Entwickeln von Strategien zur Unternehmensentwicklung mit. So bemühen wir uns, im Spiel zu bleiben. Die dritte Prognose wäre, dass wir kleiner werden, aber dann werden wir aus meiner Sicht auch in zehn Jahren immer noch förderlich in der Stiftung und an anderen Orten sein, auch wenn dann mehr Menschen ehrenamtlich tätig sind. Derzeit ist ungefähr ein Drittel unserer Mitglieder hauptamtlich berufstätig, doch auch Ehrenamtliche spielen eine große Rolle in unserem Unternehmen, zum Beispiel an den Krankenbetten und in der Seelsorge und im Kontakt mit Kommunen und Kirchengemeinden. Und die letzte Prognose ist, dass wir langsam kleiner werden, und dann werden wir andere diakonische Gemeinschaftsformen finden. Denn wir brauchen diese gegenseitige Stärkung und Verbindung als Christen.
VEDD: Und was ist am wahrscheinlichsten aus deiner Sicht?
Stefan: In den nächsten zehn Jahren werden wir uns zwischen konstanter Beständigkeit und leichter Abnahme-Tendenz unserer Verantwortung und Bedeutung immer wieder bewusst werden. Vor einigen Jahren haben wir uns übrigens schon dagegen entschieden, uns aufzulösen, um einer anderen Gemeinschaft beizutreten.
VEDD: Ihr seid auch nicht die kleinste Gemeinschaft im Verband.
Sigrid: Ich denke auch, dass wir weniger werden. Aber das Engagement kommt ja aus jeder und jedem Einzelnen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Initiativen entstehen, ob das gemeinsame Rüstzeiten sind oder soziale Projekte. Die Einfälle und auch die Aktivität ist immer noch da, das hat mit dem Alter nichts zu tun. In 15 Jahren bin ich ja gottseidank schon in Rente, aber ich kann mir gut vorstellen, in der Gemeinschaft weiterhin Aufgaben zu übernehmen. Trotzdem wäre es natürlich schön, wenn weiterhin neue Menschen dazu kommen, denn alle, die dazu kommen, bringen neue Farbe mit und neue Ideen, Überlegungen, Gedanken. Das macht unsere Gemeinschaft einfach bunt.
Katrin: Uns gibt es seit über 100 Jahren und es wird weitergehen. Sicher ist, dass es auch in 15 Jahren Menschen geben wird, die genau diese Gemeinschaftsform interessant und lebenswert finden. Solange wir hier gemeinsam mit der Diakonie St. Martin und der Kirchgemeinde und den Menschen unterwegs sind, solange wird es uns auch geben.
Stefan: Wir hatten ja vorhin über den Altersdurchschnitt gesprochen. Unsere Mitglieder sind zwischen 49 und 93 Jahren alt. Gestern habe ich erst den ältesten Bruder im Krankenhaus besucht. Es gibt ein Foto, bei dem er und seine Frau das neueste Mitglied begrüßen, denn dieser ist quasi in die Fußstapfen des anderen getreten und arbeitet in einem Bauernhof-Museum, das der andere ins Leben gerufen hat. Nun kann unser ältestes Mitglied sicher sein, dass das, was er gepflanzt hat, fortgeführt wird. Das ist für mich so was von hoffnungsvoll! Oder wenn ich daran denke, dass wir mit über 500 Menschen verbunden sind, wenn wir den Diakonischen Wochenschluss freitags 12.00 Uhr halten, obwohl wir nur mit wenigen Geschwistern zusammensitzen. Oder der Ankermenschenkonvent, der sich aus der Stiftung heraus gebildet hat. Dort haben wir mit diakonischen Multiplikatoren einen gemeinsamen Treffpunkt, an dem wir Glauben für unsere Zeit relevant und sprachfähig gestalten. Das sind alles so hoffnungsvolle Pflänzchen!
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