Berufsethik kompakt: Über die Güterethik
Da 52 Seiten eine Menge Lesestoff sind, werden wir euch die einzelnen Teile der neuen Berufsethik für Diakon:innen in den nächsten Wochen in kompakteren „Häppchen“ präsentieren. Euch interessiert das Thema „Berufsethik“ näher, ihr möchtet mehr wissen oder euch reicht eine so kurze Zusammenfassung nicht? Dann ladet euch kostenlos den gesamten Impuls herunter oder bestellt ihn euch gegen eine kleine Schutzgebühr im Printformat: https://www.vedd.de/impuls-berufsethik/
Die Berufsethik für Diakon:innen bringt drei Ethiken miteinander in Einklang: Die Tugendethik, die Güterethik und die Normenethik. Heute wollen wir die Güterethik herausgreifen – die drei Ethiken sind im praktischen Vollzug jedoch stets zusammen zu denken. Um die Güterethik kompakt darzustellen, haben wir Diakonin Dr. Britta Lauenstein, eine der Autor:innen der Berufsethik, dazu drei Fragen gestellt:

VEDD: Mit welcher Fragestellung befasst sich die Güterethik und warum heißt sie überhaupt so?
Britta Lauenstein: Das Wort „Güter“ hat ja mehrere Bedeutungen. In diesem Fall handelt es sich natürlich nicht um die Güter, um die es beispielsweise bei einem Güterzug geht, sondern um die alte deutsche Wendung „das höchste Gut“. Das bedeutet, sich zu fragen, was eigentlich das Ziel des eigenen Handelns ist. Man könnte diese Ethik daher auch Zielethik nennen. Die konkrete Frage ist: Was ist das höchste Ziel des beruflichen Handelns von Diakon:innen?
VEDD: Welche theologischen Aspekte sind die Grundlage für diese Ziele?
Britta Lauenstein: Verschiedene Stellen in der Bibel werden zur Begründung für das Handeln von Diakon:innen. Am wichtigsten ist sicher das Dreifachgebot der Liebe, also dass man Gott und seinen Nächsten wie sich selbst lieben soll, wie es im Markusevangelium steht. Augustinus hat dazu gesagt: „Liebe, und dann tue, was du willst“. Das finde ich einen super Satz, denn wenn man alles unter dieses Motto stellt, dann hat man schon das sehr viel erreicht. Wichtig ist aber auch die Bibelstelle, in der Jesus Bartimäus fragt: „Was willst du, dass ich dir tun soll?” aus dem Matthäusevangelium.“ Da geht es dann schon ganz konkret darum, dass Diakon:innen Mitglieder einer Teilhabeprofession sind, die mit den Menschen arbeitet und nicht über sie bestimmt.
VEDD: Welches höchste Ziel entsteht denn ganz konkret aus diesen biblischen Vorgaben?
Britta Lauenstein: Die Ermöglichung der selbstbestimmten Teilhabe am Leben, an der Gesellschaft und am Evangelium steht über allem. Das ist das höchste Ziel des Handelns von Diakon:innen. Das heißt, die Menschen sollen befähigt werden, ihr Leben so weit wie möglich selbstbestimmt zu leben und in umfassendem Maße an der Gesellschaft teilzuhaben. Teilhabe am Evangelium bedeutet, mit der erlösenden Botschaft des christlichen Glaubens in Berührung zu kommen und Gottes Liebe erfahren zu dürfen. Um dann wiederum selbstbestimmt zu entscheiden, was und wie man selbst glaubt.
