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Abwechslungsreiche Gemeindearbeit – ein Praktikum in Paraguay

Molin Just, Studentin an der Evangelischen Hochschule Bochum, hat ein Auslandspraktikum in Paraguay gemacht:

[…] Von September bis Dezember 2025 absolvierte ich mein Praktikum in Asunción, der Hauptstadt von Paraguay. Mein Arbeits- und Wohnort war die evangelische Kirchengemeinde dort (Conregación evangelíca alemana de Asunción). Mein Praktikum umfasste zwei Arbeitsfelder: die Gemeindliche Arbeit sowie die Unterstützung der Stiftung Fundación Princesa Diana de Francia, welche Frauen in vulnerablen Situationen einen Arbeitsplatz bietet. Mein Ziel war es, praktische Erfahrungen in der sozialen Arbeit zu sammeln und gleichzeitig die kulturellen, sozialen und kirchenpolitischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten kennenzulernen.

In der Kirchengemeinde unterstützte ich die Organisation von Gemeinschaftsveranstaltungen sowie Gottesdiensten und half bei administrativen Aufgaben. Besonders beeindruckt hat mich, wie die Gemeinde trotz begrenzter Ressourcen kreative Lösungen für allerhand Probleme fand. Ich konnte lernen, wie wichtig Flexibilität und Improvisationstalent sind, um Projekte in der Stadtgemeinde erfolgreich umzusetzen. Ein Highlight für mich waren die wöchentlichen Besuche im Altenheim, welche mich einerseits emotional forderten und mir zugleich Kraft und viele großartige Geschichten und Gespräche bescherte.

In der Stiftung, welche ursprünglich zur Begleitung von straffällig gewordenen Frauen gegründet wurde, arbeitete ich eng mit Frauen zusammen, welche sich aus unterschiedlichsten Gründen in prekären Lagen befinden. Meine Aufgaben umfassten die Begleitung der Frauen, die Unterstützung der dort angestellten Sozialarbeiterin und Psychologin und die Organisation von Workshops. Besonders überrascht hat mich, wie viel Stärke und Widerstandsfähigkeit in diesen Frauen steckt. Ich lernte, wie wichtig es ist, ihnen zuzuhören, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen und ihnen durch kleine Erfolge, Lob und Zuspruch Selbstvertrauen zu geben. Jeden zweiten Mittwoch organisierten die Präsident:innen der Stiftung in Zusammenarbeit mit ansässigen NGO’s und Fachleuten Workshops zu Themen wie Brustkrebsvorsorge, Selbstwertgefühl, Integration von Trans* Menschen und finanzieller Unabhängigkeit. Hier konnte ich miterleben mit wie viel Enthusiasmus und Interesse die Frauen das Bildungsangebot nutzten und sich daran erfreuten, etwas Neues zu lernen (viele der Frauen haben keine oder nur rudimentäre Bildungserfahrung). Es war beeindruckend zu sehen, wie die Frauen schon während der Veranstaltung Perspektiven und Ideen für die Umsetzung der angesprochenen Handlungsoptionen in ihrer Lebenssituation entwarfen.

Besonders beeindruckt hat mich vor allem die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen in Paraguay. Die Begegnungen mit den Frauen haben mich nachhaltig beschäftigt und fasziniert. Alle Frauen kämpfen ihre Kämpfe und träumen ihre Träume – und ihre Entschlossenheit, ein besseres Leben für sich und ihre Kinder zu verwirklichen, hat mich tief beeindruckt. Ein besonders prägender Moment war, als eine der Frauen nach einem Workshop zu mir kam und mir sagte, wie sehr sie das Gefühl habe, endlich wieder Hoffnung zu haben. Dieser Moment machte mir bewusst, wie wertvoll und wirkungsvoll soziale Arbeit sein kann.

In meinem Praktikum habe ich wertvolle Kompetenzen in der sozialen Arbeit erworben, insbesondere im Umgang mit Menschen in vulnerablen Situationen. Ich habe gelernt, wie wichtig Empathie, Geduld und Kreativität sind, um nachhaltige Unterstützung zu leisten. Die Arbeit mit den Frauen hat mir gezeigt, wie viel Potenzial in jedem Menschen steckt und wie entscheidend es ist, dieses Potenzial zu fördern.

Die Zeit in Paraguay hat mich herausgefordert. Auf der einen Seite habe ich gelernt, dankbarer zu sein, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen und mich für andere einzusetzen. Auf der anderen Seite kämpfte ich Tag für Tag mit der Ungerechtigkeit, welche innerhalb dieses Landes und der ganzen Welt herrscht. Während ich in der Kirchengemeinde mit Menschen agierte, welche über viel materiellen Besitz verfügen, stand ich 2 Tage die Woche in der Fundación und war damit konfrontiert, dass einige Frauen kein Geld für ihr Mittagessen haben. Trotz all dem Zwiespalt und der Ungerechtigkeit habe ich gelernt, dass materielle Güter nicht darüber bestimmen, wie lebensfroh ein Mensch ist. Besonders wichtig ist für mich die Erkenntnis, dass echte Veränderung oft im Kleinen, durch Zuhören, Ermutigen und Begleiten beginnt. […]

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