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Mehr gemeinsam als gedacht – Gen Z trifft Boomer

Wie Glaube und Haltung in der Arbeitswelt trotz Generationskonflikt verbinden

Bad Oeynhausen-Volmerdingsen (JP). Auf den ersten Blick, haben sie nicht viel gemeinsam: Thomas Dullweber, 61 Jahre, Babyboomer und Zoe Horst, 19 Jahre, Gen Z – zwei Generationen, die sich laut Forschenden gar nicht so grün seien sollen. Besonders in der Arbeitswelt kommt es zu Kommunikationskonflikten und Diskussionen über Arbeitsmoral. Doch auf den zweiten Blick, gibt es auch viele Gemeinsamkeiten. Denn Thomas Dullweber und Zoe Horst verbindet etwas Besonderes. Er ist seit über 34 Jahren eingesegneter Diakon, sie mitten in der Diakoninnen-Ausbildung. Ein Gespräch zwischen zwei Generationen, vereint durch den Glauben und ihre Haltung.

„An meinem ersten Arbeitstag im Wittekindshof bin ich zu spät gekommen“, erinnert sich Diakon Thomas Dullweber. Zoe Horst muss schmunzeln: „Ich auch.“ Sein Auto hatte Probleme mit der Lichtmaschine, sie einen Auffahrunfall an der Ampel. Trotzdem haben sie ihren Weg zum Wittekindshof gefunden. Ausschlaggebend für die diakonische Arbeit sind dabei Menschen aus ihrem nahen Umfeld gewesen.

Wege in die Ausbildung

Zoe Horst schließt sich nach ihrer Konfirmation dem Team des Kinder-Gottesdienstes in Bad Oeynhausen-Bergkirchen an – wie sie sagt, ihre „Gateway Drug“. Später begleitet sie Freizeiten und arbeitet im Jugendtreff ihrer Gemeinde. Dort lernt sie zwei Freunde kennen, die in der Diakonischen Stiftung Wittekindshof eine Diakonenausbildung machen. „Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Vorstellung, was genau ein Diakon macht“, sagt Zoe Horst.

Thomas Dullweber hatte ein familiäres Vorbild. Sein Vater war Diakon und wurde über den zweiten Bildungsweg Pfarrer. „Aber ansonsten ist das meine Geschichte“, sagt er. „Ich war in der Jugendarbeit tätig, habe Menschen aus dem CVJM kennengelernt, Freizeiten begleitet und mich im Posaunenchor und Vokalchören engagiert.“ Ein Freund hatte ihn angesprochen, ob er sich nicht vorstellen könne, im sozialen Bereich zu arbeiten. Und so entschloss sich der gelernte Bauschlosser, auf dem zweiten Bildungsweg Erzieher und Diakon im Wittekindshof zu werden. „Etwas über Theologie zu lernen und mich mit meinem Glauben auseinanderzusetzen, finde ich immer noch spannend. Die Beauftragung des Amtes hat mir bislang immer wieder gut gefallen. Mir war es dabei immer wichtiger, Diakon zu werden als Erzieher. Der Fokus lag bei mir in der theologischen Ausbildung.“

„Auch für mich war die Ausbildung zur Diakonin eher gesetzt, als die zur Erzieherin“, findet Zoe Horst eine weitere Verbindung. „Ich bin überzeugte Christin. Mir ist bewusst, dass das eine nischige Ausbildung ist, besonders für Menschen in meinem Alter, aber gerade deswegen ist es wichtig, sie zu machen.“ Dadurch beschäftige sie sich mit ihrem Wissen über Kirche und Glauben sowie ihrem persönlichen Gewissen. „Ich verstehe, woher meine Glaubenssätze kommen und wie ich sie weiterentwickeln kann. Es geht auch um Persönlichkeitsfragen, die persönliche Wahrnehmung, das eigene Selbstverständnis. Ich lerne, für andere gut zu agieren und profitiere auf meinem spirituellen Weg.“ Inhalte der Ausbildungen zur Diakonin und zur Erzieherin könne sie aktiv miteinander vergleichen und aufeinander beziehen. „Ich habe verstanden, dass ich mein Berufsbild selbst formen kann“, resümiert die 19-Jährige.

Doppelqualifikation im Einsatz

Thomas Dullweber nickt anerkennend und zustimmend: „Unfassbar reflektiert. Du hast es auf den Punkt gebracht. Wir haben die Möglichkeit, unseren Beruf zu formen und das mache ich seit vielen Jahren. Sowohl privat in der Gemeindearbeit, als auch dienstlich in meiner Arbeit mit den Klienten und Klientinnen des Wittekindshofs – ich bin immer in Doppelfunktion unterwegs. Am Ende verbinden sich beide Berufe und werden eins“, sagt der 61-Jährige, der kürzlich für seinen Einsatz das Goldene Kronenkreuz der Diakonie von seiner Gemeinde erhalten hat. „Ich werde als ‚Mann der Kirche‘ wahrgenommen und als solcher angesprochen. Ich habe schon Beerdigungen gemacht oder wurde als Seelsorger angefragt“, berichtet der Frotheimer. Dieses Mal nickt Zoe Horst anerkennend: „Für mich ist das Coole, dass ich noch nicht weiß, wie ich meine Qualifikation später einbringen werde, das ist nicht durchgeplant.“ Sie setze sich gern mit ihrem Glauben auseinander und führe einen theologischen Diskurs. Wichtig wäre, dass am Ende etwa Taten stünden und nicht nur geredet werde.

Und? Wie haben sich die beiden als jeweiliger Vertreter und Vertreterin ihrer Generation im Gespräch erlebt? Ihre große Verbindung sei natürlich der Glaube, aber auch ähnliche Werdegänge und ihre Werte. „Behalte dir deinen Optimismus und deine positive Grundhaltung bei, die ich erlebt habe. Du bist hier genau richtig“, schließt der 61-Jährige ab. „Wow, danke. Ich habe erwartet, dass du verschlossener gegenüber meiner Generation bist. Da wurde ich aber positiv überrascht. Es war eine gute Stimmung zwischen uns und wir haben eine ähnliche Haltung, ganz unabhängig vom Alter“, resümiert die 19-Jährige.

75 Jahre Brüder- und Schwesternschaft Wittekindshof

Eine weitere Verbindung haben Zoe Horst und Thomas Dullweber: Sie sind durch ihre Ausbildung Teil der Diakonischen Brüder- und Schwesternschaft Wittekindshof, die in diesem Jahr 75 Jahre besteht. Das wird am Samstag, 18. Mai gefeiert. Von 17 Uhr an sind Interessierte eingeladen ins Bildungszentrum Langenhagen, Langenhagen 51 in Bad Oeynhausen. Es gibt einen Sektempfang, Geburtstagstorte, Getränke und ein Büffet, die ehemaligen Ältesten der Gemeinschaft sind vor Ort, alte Bilder erinnern an die vergangenen Jahre, Musik und viel Zeit für Gespräche.

Wer sich für die Ausbildung zum Diakon/zur Diakonin informieren möchte, erhält Informationen unter Telefon (05734) 61-2461, oder im Internet: https://www.diakonenausbildung-wittekindshof.de/

Text und Foto: Jaqueline Patzer

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