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Vamos juntos trabalhar na seara do Senor

Schwestern- und Brüderschaft im Evangelischen Johannesstift Berlin:  Bericht einer Reise nach Brasilien

Auf geht’s, lasst uns gemeinsam am Reich Gottes arbeiten. (Diakonielied der IECLB)

Allen Bahnstreiks und Bauernprotesten zum Trotz gelang Dagmar Rosenthal, einer Diakonin aus Erfurt, und mir – Diakonin Claudia Dorn-Jarchow, Älteste der Schwestern- und Brüderschaft im Evangelischen Johannesstift Berlin – Mitte Januar die Abreise nach Brasilien. Unsere diakonische Partnergemeinschaft COD der Lutherischen Kirche Brasiliens (IECLB) hatte uns zu ihrem Jahrestreffen eingeladen. Diese Einladung nahmen wir gern an und nutzten gleich noch die Gelegenheit, ein wenig Land und Leute und Orte brasilianischer Diakonie kennenzulernen. Vamos!

Nach einer kurzen Akklimatisierung in den brasilianischen Hochsommer nahmen wir am Jahrestreffen der diakonischen Gemeinschaft teil. Thematisch arbeiteten unsere Geschwister an der Frage, wie sehr sich ihre „Einwanderungskirche deutscher Tradition“ nach 200 Jahren ändern müsste, um im multikonfessionellen Brasilien von Heute weiter zu existieren. Welche Traditionen müssen erhalten werden, wo sind neue Perspektiven unumgänglich? Wie funktioniert Kirche, wenn sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen so extrem ändern wie in den vergangenen Jahren? Neben dem Austausch darüber feierten wir gemeinsam emotionale Gottesdienste und Andachten und kamen mit etlichen Geschwistern ins Gespräch über ihr Berufs- aber auch Privatleben. Wir sangen, spielten und genossen den einen oder anderen Moment im Sonnenschein am Strand.

Bei der anschließenden Rundreise lernten wir diakonische Projekte kennen, also die Orte, an denen „gemeinsam am Reich Gottes gearbeitet“ wird:

Campos Verdejantes in Campo Alegre, ein Projekt der lutherischen Kirche zur Verbesserung des Lebens von Menschen mit Behinderungen besuchen wir zusammen mit Diakonin Simone Engel. Tia Doro (Tante Doro, Dorothea Vera Pfeiffer) und Nivaldo Klein führten uns durch den ersten Teil des Rohbaus – ein Drittel des geplanten Gebäudes. Es ist schon viel geschafft, es ist noch viel zu tun!

https://www.luteranos.com.br/conteudo/campos-verdejantes-erhalt-besuch-aus-deutschland
Assocaição Beneficente Evangélica da Floresta Imperial (abefi) in Novo Hamburgo ist ein großes diakonisches Unternehmen mit 14 unterschiedlichen Standorten/Angeboten für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien in den Bereichen Bildung und Ausbildung, Sport, Kultur, Freizeit und Sozialunterstützung. Pastor Altemir Labes versteht sich als diakonischer Pfarrer und ist Mitglied der diakonischen Gemeinschaft.

Die Küchenchefin des Kinder- und Jugendbegegnungshauses „Zusammen in Aktion“, Dona Ledi, unterbrachen wir beim Brotbacken für den Nachmittagsimbiss und hörten wir von ihren Erfahrungen, im vergangenen Jahr erstmalig für alle Kinder des Hauses und deren Familien, also insgesamt gut 300 Personen, ein Weihnachtsessen zu kochen. Ja! Es ist gelungen und es war eine wunderbare Weihnachtsfeier!

Mit der Leiterin der Kinder- und Jugendwohngruppe Morada de Gigantes (Haus der Giganten, der Namen wurde von den Kindern bestimmt) Aline Moder diskutierten wir über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der stationären Jugendhilfe. Vieles ist ähnlich, manches doch sehr unterschiedlich. Zum Beispiel die Ausstattung des gemeinsamen Speiseraumes. Aber der freundliche Umgangston miteinander – gentilezas palavras – muss überall geübt werden.

Der Kindergarten Bom Samaritano in Viamão wurde viele Jahre von Diakonin Rosé Saick geleitet, jetzt ist Julia Saick verantwortlich. In den Sommerferien zwischen Weihnachten und Karneval wird hier renoviert und erweitert. Nach neuesten behördlichen Vorgaben sollen die großen Hortkinder mehr Platz bekommen, also wird angebaut. Stück für Stück, immer wenn Geld dafür vorhanden ist…

Weiter geht es in den NordOsten, in den Bundesstaat Espirito Santo. Wir besuchen Santa Maria de Jetiba, eine Bergstadt mit pommerscher Tradition. In dieser ländlichen Gegend wird noch in vielen Familien pommersches Platt gesprochen.

Zurück in der Hauptstadt des Bundeslandes sind wir Teil eines „mini-encontro“ mit diakonischen Geschwistern und ihren Familien. Eine Moqueca (Fischgericht) für echte Capixaba (Einwohner*innen von Espirito Santo) und ihre Gäste. – Gutes Essen und fröhliche Gemeinschaft stärken für den diakonischen Dienst Auf geht´s, laßt uns gemeinsam am Reich Gottes arbeiten

Cidade maravilhosa! Natürlich darf zum Abschluss etwas sightseeing nicht fehlen. Die Christusstatue auf dem Corcovado verbarg sich in dichten Wolken, aber vom Gipfel des Pão de Açucar staunten wir über das glitzernde Citypanorama. Am letzten Morgen spazieren wir noch über den Strand der Copacabana, bevor wir Top und Sonnenhut gegen Strickchic und Handschuh tauschen und uns auf die Heimreise ins streik- und demoreiche Deutschland machen.

Berlin erwartet uns januarmäßig.

Text und Bilder: Diakonin Claudia Dorn-Jarchow
Älteste der Schwestern- und Brüderschaft

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