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Von Züllchow nach Züssow

Im Gespräch mit Wolfgang Seyfried, Norbert Weber und Burghard Rossnagel von der Züllchower-Züssower Diakonen- und Diakoninnengemeinschaft über ihren ungewöhnlichen Namen, Diakon:innen in der Nordkirche und die Notwendigkeit, alte Strukturen zu verändern. Das Interview führte Arnica Mühlendyck am Rande der gemeinschaftlichen Rüstzeit in Graal-Müritz im Februar 2025.

VEDD: Schön, dass ihr euch die Zeit für ein Gespräch nehmt. Stellt euch bitte kurz vor.

Wolfgang Seyfried: Ich bin Wolfgang Seyfried, Geburtsjahr ‘53, jetzt seit acht Jahren im Ruhestand. Ich habe meine Diakonenausbildung ab 1972 in Züssow und ab 1974 dann in Neinstedt absolviert, dort die Fachrichtung Behindertenhilfe. Ich habe an verschiedenen Stellen im Osten Deutschlands gearbeitet, von Sachsen bis Rügen, als Heilerziehungspfleger, aber auch als Hausmeister in Projekten für sozialdiakonische Jugendarbeit, zuletzt als pädagogischer Leiter in einer größeren Behindertenhilfeeinrichtung. Nach 1990 habe ich Soziale Arbeit und Sozialmanagement studiert, sodass ich einigermaßen aufgestellt war für meine Arbeit. Zwischendurch habe ich auch einen Verwaltungsabschluss gemacht.

Norbert Weber: Ich bin Norbert Weber, Jahrgang ‘58. Ich habe die Diakonenausbildung in Züssow und Moritzburg gemacht, das heißt mit der Fachrichtung Kinder- und Jugendarbeit. Zum Schluss war ich Regionalreferent für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, dann bin ich vor einigen Monaten in Rente gegangen. Zwischendrin war ich sieben Jahre lang Hausleiter in einem Kinder- und Jugendzentrum der Diakonie in Rostock. Heute bin ich noch als Gemeindeberater tätig und als Konventsleiter.

Burghard Rossnagel: Mein Name ist Burghard Rossnagel, Jahrgang ‘55. Ich habe von 1973 bis 1977 in Züssow die Ausbildung gemacht. Ich war dann in der Altenarbeit tätig, erst in Ludwigslust bis 1985, dann bis 1990 in Jena. Durch Umbrüche sind wir dann in Wiesbaden gelandet. Dort habe ich bis zu meinem Renteneintritt vor sieben Jahren auf einer beschützenden Station mit dementen Menschen gearbeitet. Nach dem Tod meiner Frau 2001 waren Kirchgemeinderatswahlen und da ich viel freie Zeit hatte, habe ich dann den Finger gehoben und bin seitdem in der Kirchgemeinde sehr aktiv. Auch dafür sehe ich die Diakonenausbildung als Fundament. Ich sage immer, dass es zwei Formen der Frömmigkeit gibt: Man hat das Lob Gottes auf der Zunge oder in den Händen und ich verorte mich eher im zweiten.

Eine Gruppe Diakone und Diakoninnen stehen zusammen
Die Rüstzeit-Gruppe der Züllchower-Züssower Diakoninnen und Diakone

VEDD: Vielen Dank. Es wird schon jetzt klar, dass ihr drei ganz unterschiedliche Wege gegangen seid – wie spannend. Verstehe ich das richtig: Die Ausbildung in Züssow war auf den Bereich Altenhilfe spezialisiert, während die Fachrichtungen Jugend- und Behindertenhilfe nur an anderen Orten ausgebildet wurden?

Wolfgang Seyfried: Tatsächlich haben die Ostbrüderhäuser untereinander in einer Kooperation ab 1969/1970 diese verschiedenen Spezialisierungen angeboten. Je nachdem, wo man die Ausbildung gemacht hat, war man dann eben Diakon plus Heilerziehungspfleger oder Altenpfleger oder Jugenddiakon. Die klassische Doppelqualifikation eben – eine kirchliche Ausbildung und eine soziale.

Norbert Weber: Gegliedert wurde in Pflegeberufe und in gemeindebezogene Arbeit. Man muss immer fragen, wo man seine Spezialausbildung gemacht hat, um herauszufinden, welche Profession jemand mitbringt. Zu welchem Brüderhaus man gehört, war erst mal zweitrangig. Ich habe mich erst in Züssow entschieden, in die Kinder- und Jugendarbeit zu gehen, also musste ich meine Ausbildung in Moritzburg fertig machen.

VEDD: Nun sind aber Moritzburg und Neinstedt beide nicht direkt um die Ecke von Züssow aus. Wäre da nicht Hamburg oder auch Rickling näher gewesen?

Wolfgang Seyfried: Schon, aber dazwischen bestand ja eine Grenze. Heute sind die in der Tat fast um die Ecke, das ist richtig.

VEDD: Ihr bildet zwar schon seit 1990 nicht mehr aus, aber habt ihr heute Kooperationen mit den Gemeinschaften in Hamburg und Rickling?

Wolfgang Seyfried: Wir sind in einem Verband in der Nordkirche organisiert, mit den Rauhhäuslern und den Ricklingern und ursprünglich auch mit der Schleswig-Holsteinischen Gemeinschaft, die sich ja vor ein paar Jahren aufgelöst hat.

VEDD: Abgesehen davon, dass ihr sehr weit im Norden ansässig seid: Was sind noch eure Alleinstellungsmerkmale im Gegensatz zu anderen diakonischen Gemeinschaften?

Wolfgang Seyfried: Wir sind eine Gemeinschaft, die durch Flucht zu einem neuen Standort gekommen ist. Wir gehören zu den ältesten Gemeinschaften und wurden in Stettin, im Vorort Züllchow, gegründet. Nach 1945 wurde die Pommersche Landeskirche verkleinert, um den Teil, der heute zu Polen gehört und so auch um Stettin. Die Einrichtung, zu der wir früher gehörten, waren die Kückenmühler Anstalten, die in der Nazi-Zeit traurige Berühmtheit erlangt haben. Ungefähr 1.500 der dortigen Menschen wurden dort ermordet. Gemeinschaftsmitglieder, die die Nazizeit überlebt hatten, haben sich dann in Züssow wiedergetroffen.

VEDD: Ich war fest davon überzeugt, dass Züllchow und Züssow zusammengehören. Aber ihr habt euch ausgerechnet, aus Züllchow kommend, den Ort Züssow ausgesucht, um wieder zusammenzutreffen?

Burghard Rossnagel: Da muss man auf die Geschichte blicken: In der Nähe von Züllchow verläuft eine große Kreuzung, einmal von Süd nach Nord, also von Berlin nach Stralsund rauf und einmal über Züssow gen Westen. Und in Züssow, jenseits der Grenze, sind viele Alte und Kranke liegen geblieben als Flüchtlinge. Der damalige Superintendent hat in Züssow in den freiwerdenden großen Gutshäusern diese Personen gesammelt und mit diakonischer Nothilfe angefangen. Der spätere Brüderälteste meldete sich dann und wollte helfen und hat angefangen, dort die verstreuten Brüder zu sammeln. Nach 1949 hat man dann mit ökumenischer Hilfe auf grüner Wiese eine Anstalt aus dem Boden gestampft und dort haben die Züllchower eine neue Heimat bekommen. Um die Verbindung zu halten, hat man Züllchow im Namen behalten.

VEDD: Ihr seid so eine unglaublich lebendige Gemeinschaft. Wieso habt ihr aufgehört, auszubilden?

Wolfgang Seyfried: Letzten Endes aus rein finanziellen Gründen. Schon zu DDR-Zeiten waren wir ein sehr kleines Brüderhaus, am Rande der damals für uns Ostdeutsche erreichbaren Welt. Und die Landeskirche, die die Ausbildung kofinanzierte, war auch eine der kleinen Landeskirchen, weil ja nach 1945 der ganze Ostteil nicht mehr dazu gehörte. Als 1990 freie Reisemöglichkeiten entstanden, hat es Kooperationen mit Rickling gegeben und wir haben ein gemeinsames Ausbildungskonzept aufgelegt. Die Landesregierung und die Landeskirche fanden das zwar gut, wollten oder konnten das aber nicht finanzieren. Und aus eigenen Mitteln kann eine kleine Gemeinschaft eine eigene Schule auf Dauer nicht professionell unterhalten. Gäbe es heute die Nachfrage, dann würden wir andere Brüderhäuser bitten, den Bruder oder die Schwester aufzunehmen und zur Ausbildungsreife zu führen.

VEDD: Kommen manchmal Leute einfach so zur Gemeinschaft dazu? Könnte ich Mitglied bei euch werden?

Wolfgang Seyfried: Theoretisch ja. Als beispielsweise die Schleswig-Holsteinische Gemeinschaft sich auflöste, sind zwei ältere Brüder von denen, die nun keine Heimat mehr hatten, zu uns gekommen. Außerdem können wir laut Ordnung auch Menschen ohne Diakonenausbildung aufnehmen.

VEDD: Was würde mich denn erwarten, wenn ich bei euch Mitglied werde? Wir sind ja hier zur Rüstzeit zusammen, aber was macht ihr sonst noch so?

Norbert Weber: Neben dem Geschwistertag haben wir Regionalkonvente, die zweimal jährlich einen Tageskonvent ausrichten. Dann treffen wir uns an einem Ort, meistens dort, wo ein Gemeinschaftsmitglied wohnt. Das ist dann ähnlich wie diese Rüstzeit. Die Tageskonvente dauern einen Tag und wir besprechen alles, was gerade dran ist. Was treibt uns um, was sollten wir voneinander wissen, wofür wollen wir beten? Da geht es um Mitgliederpflege und Austausch, Geselligkeit spielt eine große Rolle und geistliche Vergewisserung.

VEDD: Ihr arbeitet auch theologisch miteinander, so wie heute Morgen, als ihr Bibel geteilt habt?

Norbert Weber: Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal laden wir auch Referenten ein, und es hat immer einen gewissen Bildungscharakter.

VEDD: Was macht man denn, wenn man als Züllchower-Züssower Bruder nach Wiesbaden gezogen ist? Da ist Regionalkonvent wahrscheinlich keine Option.

Burghard Rossnagel: Nee, ich habe es in den 90er Jahren mal versucht, aber das hat nicht geklappt. Ich muss sehen, dass ich die Batterien regelmäßig auflade und aus dem lebe, wo ich meine Wurzeln habe, auch wenn ich eher ein Einzelkämpfer bin.

VEDD: Hättest du dich nicht auch der Gemeinschaft in Hephata anschließen können?

Burghard Rossnagel: Das wäre von Wiesbaden aus dann eher das Paulinum in Bad Kreuznach, dort habe ich versucht, Kontakt aufzunehmen, aber durch Corona hat das noch nicht geklappt. Bisher habe ich auch noch keine wirkliche Notwendigkeit gesehen und ich habe ja auch hier in der Runde viele tolle Kontakte, noch aus meiner eigenen Zeit im Brüderhaus. Diese Treffen sind für mich wie Familie, die ich nicht missen möchte. Trotzdem werde ich ja nicht jünger und die Wege hier hoch werden beschwerlicher, es ist also schon eine Option, mich anders zu orientieren.

Wolfgang Seyfried: Viele Brüder, die weiter weg leben, können wir nur postalisch erreichen, zum Beispiel mit unseren Rundbriefen. Und wir haben natürlich auch noch den Schwestern- und Brüdertag, an dem wir alle Formalia abarbeiten, die eben nötig sind.

VEDD: Und das sind alles Dinge, die du ehrenamtlich verantwortest als Ältester?

Wolfgang Seyfried: Ja, in unserer Gemeinschaft ist es so, dass das ausschließlich ehrenamtlich läuft.

VEDD: Puh, das ist ganz schön herausfordernd, oder?

Wolfgang Seyfried: Das wird bei den anderen kleinen Gemeinschaften nicht wesentlich anders sein. Die Landeskirchen geben nicht mehr so bereitwillig etwas für ihre Gemeinschaften her. In der Pommerschen Landeskirche gab es früher eine Sonntagskollekte speziell für die Gemeinschaft. Das gibt es jetzt in der Nordkirche nicht mehr.

VEDD: Vorhin fiel schon das Wort Familie. Wie würdet ihr die Gemeinschaft noch beschreiben?

Wolfgang Seyfried: Für mich ist wirklich Familie der treffendste Begriff, das beschreibt die Nähe am besten.

Burghard Rossnagel Familie hat auch etwas Verbindliches. Auch mit meinem Bruder halte ich den Kontakt, solange ich lebe, wir pflegen diesen Kontakt, auch wenn die Abstände größer werden, seit die verbindende Klammer der Eltern nicht mehr da ist. Doch da ist das Bewusstsein einer gemeinsamen Geschichte und auch eine Verpflichtung, beisammenzubleiben.

Norbert Weber: Für mich ist die Gemeinschaft Freundschaft, die sich nicht erklären muss. Man sieht sich lange nicht und dann kommt man zusammen und kann gleich wieder da anknüpfen, wo man war. Und man geht nicht leichtfertig damit um, mit so einem Freundeskreis. Den wechselt man nicht einfach mal so. Man fühlt sich geborgen, also irgendwie doch wie Familie, aber eher wie Gleiche unter Gleichen.

VEDD: So wirkt es auch auf mich als Außenstehende – ihr seid alle sehr vertraut miteinander und gleichzeitig macht ihr es mir sehr leicht, mich dazwischen zu setzen und dabei zu sein. Gibt es irgendetwas, wofür ihr euch als Gemeinschaft speziell einsetzt?

Wolfgang Seyfried: Wir haben in den letzten Jahren in der Kirchengemeinde Züssow ein Glockenprojekt finanziell unterstützt. Diese Glocke zeigt das Signet der Diakonatsgemeinschaft. Wenn kein Krieg kommt, in dem Glocken eingeschmolzen werden, dann wird das Signet noch lange nach uns diese Glocke zieren. Auch die Restaurierung der Kirche und der Orgel haben wir mit unterstützt.

Der Bootsanleger in Graal-Müritz
Die Gemeinschaftsmitglieder treffen sich jährlich in Graal-Müritz an der Ostsee zur Rüstzeit

Norbert Weber: Wir haben auch eine Zeitlang eine Schwesternschaft in der Slowakei unterstützt und während des Balkankriegs haben wir ein psychosoziales Zentrum unterstützt, das sich für Frauen und Familien aus dem ehemaligen Jugoslawien eingesetzt hat, das hat sich aber nicht lange getragen. Wir sind einfach zu weit verteilt und Projekte sind oft vor Ort angebunden. Viele von uns setzen sich daher als Einzelpersonen ehrenamtlich für Projekte ein.

VEDD: Wie weit denkt ihr in die Zukunft?

Wolfgang Seyfried: Wir müssen über das Ende dieser Organisationsstruktur nachdenken. Es ist zwar sehr wertvoll, an etwas gebunden zu sein, auch wenn wir nur eine kleine Runde sind. Doch ich hatte erst vor kurzem eine schwere Herzoperation und es geht mir nur langsam besser. Wir sind nun mal alle in unserer Endlichkeit begrenzt. Das kann natürlich noch viele Jahre gut gehen. Aber wir können uns nicht mehr darauf ausruhen, zu sagen „Ach, noch haben wir ja einen Ältesten“. Daran darf die Gemeinschaft nicht hängen. Normalerweise verjüngen sich Organisationen, aber dieses Verjüngungspotential erkenne ich derzeit nicht. Deshalb müssen wir Ablösemodalitäten finden, solange wir das noch selbst moderieren können. Wir sind kein eingetragener Verein, sondern Werk der Kirche, wir können uns nicht einfach auflösen.

VEDD: Ihr geht also einen Schritt nach dem anderen?

Wolfgang Seyfried: Bei der nächsten Wahl im kommenden Jahr wird es wieder darum gehen, ob es Nachfolger für den Gemeinschaftsrat gibt. Vielleicht können Menschen, die neu in den Ruhestand eingetreten sind, nachrücken. Aber irgendwann wird es eng. Für dieses Ehrenamt braucht man viel Zeit und auch ein großes Maß an Beweglichkeit, auch wenn man mittlerweile einiges von zu Hause aus organisieren kann.

Norbert Weber: Ich denke, es wird wichtig sein, uns selbst klarzumachen, dass eine Veränderung von Strukturen nicht bedeutet, dass wir keine Gemeinschaft mehr leben können. Es ist einfach unwahrscheinlich, dass plötzlich ein Knall passiert und lauter 30-Jährige eintreten.

VEDD Das wäre auf jeden Fall eher eine überraschende Entwicklung.

Burghard Rossnagel Um wieder mehr Leute in die Kirche zu kriegen muss wirklich viel passieren. In der DDR war der persönliche Druck durch den Staat auf den Einzelnen so hoch, dass viele im geschützten, kirchlichen Umfeld Entlastung gefunden haben. Nach der Wende war das anderes, da war das Interesse an Kirche plötzlich viel geringer und diese Entwicklung dauert bis heute an.

Wolfgang Seyfried: Und es scheint auch so zu sein, dass der Beruf Diakonin oder Diakon zumindest in der Nordkirche keine große Rolle mehr spielt, weder in der Kirche noch in der Diakonie. Ich brauche einen Sozialarbeiter oder ich brauche einen Heilerziehungspfleger, da muss ich nicht unbedingt Diakon sein. Früher war fast die gesamte mittlere Ebene von Diakonen besetzt, das waren oft die Einzigen in einer Einrichtung, die sowohl fachlich als auch kirchlich qualifiziert waren. Die anderen Mitarbeitenden waren anders qualifiziert, das will ich gar nicht abwerten. Und Fachkräfte ohne Diakonenausbildung sind aus Sicht der Kirche einfach billiger. Wir liegen seit Jahren im Clinch mit der Kirchenleitung, um ihnen verständlich zu machen, dass Diakone und Gemeindepädagogen nicht identisch sind, dass wir eine Gemeinschaft und kein Berufsverband sind und dass Diakone ganz unterschiedliche Professionen haben. In der Kirche sind praktisch keine Diakone mehr angestellt, sondern fast nur noch Gemeindepädagogen, die zwar theoretisch in unsere Gemeinschaft kommen könnten, aber warum sollten sie das tun?

VEDD: Warum sollten sie das nicht tun?

Wolfgang Seyfried: Weil die Verbindlichkeit vielen zu hoch ist. Doch die brauche ich, um gemeinsam etwas zu erreichen und voranzukommen. Und das heißt eben auch, ein Stückchen Zeit zu investieren, auch mal etwas hinzunehmen, was ein anderer sagt und zu tolerieren, dass ich nicht immer der Einzige bin, der Recht hat. Außerdem muss man dann einen regelmäßigen Beitrag zahlen und auch Veranstaltungen aushalten, die eben nicht so viel Spaß machen, wo es zum Beispiel um Formalia geht. Da fragen sich eben viele: Muss ich das haben?

Norbert Weber: Im Kirchenkreis Mecklenburg gibt es nur noch ganz wenige Diakone und bei denen wird immer wieder vergessen, dass sie Diakone sind. Ich erinnere gern daran, dass neben „Herrn Pastor so und so“ auch der „Herr Diakon so und so“ erwähnt werden darf, aber das schleift sich auch ab. Der Trend geht meiner Meinung nach derzeit wieder stärker Richtung Pastorenkirche, weil viele Stellenanteile in Gemeinden nicht mehr finanzierbar sind. Und wenn sich ein Gemeinderat entscheiden muss, dann nehmen sie oft lieber einen Pastor als jemanden, der, wie sie annehmen, nur mit den Kindern trällert.

Burghard Rossnagel: Und Diakonie ist im Zusammenhang mit Kirche oft außen vor. Es ist der Kirchenleitung zwar klar, dass Einrichtungen aus christlicher Tradition entstanden sind und sie zum diakonischen Werk gehören, aber den konkreten Zusammenhang mit Kirche sehen sie nicht. Umso wichtiger wäre es, Diakone als Bindeglied dazwischen zu setzen.

Wolfgang Seyfried: Regional sind Diakone trotzdem oft eingebunden. Bei mir vor Ort wissen viele, dass ich Diakon bin, ich übernehme auch regelmäßig Gottesdienste, auch in meiner ehemaligen Arbeitsstelle. Die Situation wird übrigens auch nicht besser durch die vielen Gemeindefusionen.

Burghard Rossnagel Ich befürchte, Kirche muss erst mal sterben, ehe etwas Neues wachsen kann.

VEDD: Puh, das ist aber kein schönes Schlusswort.

Norbert Weber: Wie wäre es so: Alle, die bei uns in der Gemeinschaft sind, sind da richtig und fühlen sich da wohl.

Wolfgang Seyfried: Und wir müssen eine Form finden, wie wir das ohne allzu feste Strukturen am Leben halten.

Ladet hier das vollständige Interview herunter: Interview_ZZDD_Februar2025_final

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